Datum 15.03.2019
Uhrzeit Einlass: ab 19:30 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Location Jugendzentrum Leer
Preis VVK: 7,00 € - 10,00 € - Ticket(s) bestellen
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Einige Glückliche, die im November 2018 das Konzert mit Holly Golightly besucht hatten, werden sich noch an ihn erinnern: Dad Horse Ottn. Er eröffnete den Abend multi-instrumental auf seine eigene unnachahmliche Art und Weise. Nun ist er wieder auf Tour und das JuZ freut sich, ihn nunmehr mit seinem ureigenen Mix aus Country-Gospel, Singer/Songwriter, Punk und Oom-Pah-Pah-Polka in kompletten Show präsentieren zu dürfen.

Mit 40 Jahren begann Dad Horse Ottn auf einem geschenkten Tenorbanjo Musik zu machen. Inspiriert von der Musik der Appalachen und den Abgründen der eigenen Seele erfand der Bremer unter der Überschrift „Keller-Gospel“ seinen eigenen unverwechselbaren Musikstil. Als The Dad Horse Experience ging der Friese bald auf Tour. Seit 2008 zieht er als Ein-Mann-Gesamtkunstwerk durch die Welt. Singt seine abgründigen Lieder zu Banjo oder Mandoline, Basspedal und Kazoo. Erzählt verrückt-absurde Geschichten von Schuld, Erlösung und Merchandise-Tischen im Himmel.

Vor allem in den USA, dem Heimatland von Country und Gospel, hat sich der schratige Deutsche einen Namen gemacht und mit seinem „Thick German accent“ eine beachtliche Fangemeinde gewonnen, spätestens seit 2008 sein Song „Gates of Heaven“ auf einem Sampler des Dark-Roots-Labels Devils Ruin Records erschien. Der Song vom Himmelstor, durch das sich der Sänger Zutritt verschaffen will, um seine tote Mutter wiederzusehen, wurde innerhalb der Muddy-Roots-Szene – in der traditioneller Blue Grass und Folk-Roots ebenso geschätzt werden wie krachiger Hardcore-Punk und Outlaw-Country – bald zur Hymne. Der deftige Refrain „Lord, I‘m a bad ass motherfucker / But won‘t you please let me in?“ wird heute allerorten fleißig nachgespielt – von Lagerfeuer-Partys in West Virginia bis zu kalifornischen Indie-Festivals – und steht damit unmittelbar vor der Aufnahme ins Great American Songbook.

THE DAD HORSE EXPERIENCE „Keller-Gospel“ oder Europäischer Underground mit amerikanischen Wurzeln. Was schwingt bei The Dad Horse Experience eigentlich mit, fragt man sich diesseits und jenseits des Atlantiks: Hasil Adkins oder Washington Phillips? William S. Burroughs oder Sören Kierkegaard? Hank Williams oder etwa Wum, der singende Hund? Dad Horse Ottn nur als Musiker zu betrachten, greift zu kurz. In seinen Shows singt und erzählt der Mann mit dem großen schwarzen Humor Anekdoten, kommuniziert schlagfertig mit seinem Publikum, irritiert und amüsiert. Spielend gelingt ihm der Wechsel zwischen abgrundtiefer Traurigkeit und anarchischem Witz. Mit seiner surreal-verschrobenen Art hat sich Dad Horse Ottn als eigenständiger europäischer Interpret der amerikanischen Gospeltradition inzwischen in den USA wie in Europa einem Namen gemacht.

Das mittlerweile fünfte Album von The Dad Horse Experience trägt den bildreichen Titel Eating Meatballs on a Blood-Stained Mattress in a Huggy Bear Motel, mit dem Dad Horse Ottn eine Synopsis seiner bisherigen musikalisch- spirituellen Entwicklungen und Verwicklungen vorlegt. Nach „Glaube“ (Too Close to Heaven, 2008) und „Reise“(Dead Dog on a Highway, 2011) ist das Thema dieses Albums „Amerika“, genauer die USA. Jenes Land also, auf dessen spiritueller und gegenkultureller Tradition der „Кeller-Gospel“ von Dad Horse Ottn baut. Jenes Land auch, in dem er bisher auf das meiste Verständnis und die grösste Anerkennung gestoßen ist. Jenes Land wiederum, dessen Einwanderungsbehörde seiner ausgedehnten Tour- und Reisetätigkeit Anfang 2015 aus Visagründen einen Riegel vorschob und ihn mit dem nächsten Flieger nach Europa zurückschickte. Die Songs auf dem Album sind daher auch Gesänge eines Abgewiesenen und Verschmähten. Eingespielt wurden sie im Juni 2015 in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Produzenten und No-Folk-Musiker Gregg Weiss in einem Scheunenstudio in Südfrankreich. Auf Eating Meatballs on a Blood- Stained Mattress in a Huggy Bear Motel befinden sich abgründige Songs von einem, der sein Glas schon vor langer Zeit ausgetrunken hat, der seine Botschaften und Erfahrungen, seinen Spirit teilt, so dass der Zuhörer sich nicht belehrt, sondern aufgehoben fühlt. Der Musiker erzählt kleine Geschichten, die vom Größen erzählen: Love, Death, Faith. Geschichten, die sich um Einsamkeit und Suche, Weg und Irrweg drehen. Schon der Opener „Will I Be Someone“ handelt vom Unbehausten im Leben, vom Tiefgründigen im Abgründigen: Will I be someone, before I die? Werde ich erkennen, wohin die Suche, die Fragezeichen und inneren Narben fuhren? Das Album halt viel Neues bereit. Dad Horse Ottn nähert sich dem Erzählen noch mehr an, getreu dem Motto: The road is long – jede Geschichte braucht ihre Zeit. Er hat Mut zu Länge und Zeit („Reach Out Your Hand Revisited“), zum gesprochenen Wort (in dem 17-minutigen „Rain“) und zum Verzicht auf dasselbe („Under Swine and Bears“). In diesem textlosen Klagelied kommt Dad Horse Ottns spirituelle Seite besonders zum Ausdruck. Dem Video zu diesem Titel wurde ein Text unterlegt, der auf dem Buch The Cloud of Unknowing eines anonymen englischen Mystikers aus dem 14. Jahrhundert basiert. Ottn präsentiert hier auch seinen bislang einzigen Lovesong („Love Is a Meatgrinder“), den er mit dem Smartphone aufnahm, während er in den Katakomben des Flughafens von Detroit auf seine Abschiebung wartete. Durch das gesamte Album zieht sich ein bereits vertrautes Motiv: Nichts ist ganz so, wie es zunächst scheint. Das Frivole entblöst ein Körnchen stummes Entsetzen („Little White Fish“), die Verzweiflung und Auflösung des Ichs gebiert ein Körnchen Trost und Zuversicht („Rain“). Das Verhältnis des Künstlers zu seinem Werk, Distanz und Nähe, Reflexion und Einlassen finden sich auf verschiedenen Ebenen wider. Musikalisch, textlich und auch bildlich, etwa in den verstörenden Reisefotografien Ottns, die dem Cover zugrunde liegen und den Hauptteil des umfangreichen Booklets der CD-Ausgabe ausmachen. Auch Bildsprache und Ästhetik der beiden von Slowboat Films produzierten Videos „Reach Out Your Hand Revisited“ und „Under Swine and Bears“ unterstreichen die Suche nach dem Ewiggültigen des geradezu archetypisch umherziehenden Musikers, der die Bezugspunkte für Heimat und Fremde zwischen Zeitzonen, Kontinenten und Kulturen schon lange aufgegeben hat.

 

Einlass: 19.30 Uhr, Beginn: 20 Uhr
Eintritt: VK 10 €, AK 12 €, Schüler/Studenten 7 €
VK-Stellen: JuZ, Borde,  www.eventim.de

 


Buchungen

Ticket-Typ Preis Plätze
Standard-Ticket 10,00 €
Standard-Ticket
Schüler/Studenten
7,00 €

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Daraufhin wird das Ticket / werden die Tickets und eine Rechnung an die oben angegebene Adresse gesendet. Wir möchten Euch bitten den in der Rechnung angegebenen Betrag zu überweisen.


THE DAD HORSE EXPERIENCE – Keller-Gospel